Ein Bericht von Tim Jürgens
Dienstag den 01.01.2008 05:59
Im Tor zur Welt
Der Torwart Lutz Pfannenstiel sammelt keine Titel, er sammelt Kontinente. Er ist der einzige Spieler weltweit, der jemals auf allen Erdteilen bei einem Profiklub angestellt war. Ein toller Rekord – der ihn beinah das Leben gekostet hätte.
Als sie ihn mit elf Asiaten und einem Australier in die Zelle sperren, ist er für einen Moment nicht mehr sicher, ob das mit der Idee, Fußballprofi zu werden, so eine gute Idee war. Da sitzt er bei 45 Grad in einer 15 Quadratmeter Zelle, ohne Bett und Toilette, nur mit einem Loch im Steinfußboden, und überlegt, wie es weitergehen soll: Lutz Pfannenstiel, die Nummer 1 von Geylang United, des amtierenden Meisters in der S-League von Singapur.
Auch das Leben eines Torwarts ist ein langer von unsichtbaren Stromschnellen durchzogener Fluss, der sich auf Umwegen durch die Zeit schlängelt. Selbst Oliver Kahn musste 1999 in einer warmen Nacht in Barcelona einsehen, dass nicht jedes Ziel auf dem direkten Weg zu erreichen ist. Doch die Unwägbarkeiten und Zufälle, die sich durch die Biografie des Lutz Pfannenstiel ziehen, suchen ihresgleichen.
Als er im August 2000 in Singapur wegen Spielmanipulation vor Gericht gestellt wird, hat der damals 27-jährige Torwart aus Zwiesel im Bayerischen Wald schon 14 Stationen als Profi hinter sich. Ein zwielichtiger Buchmacher hatte behauptet, Pfannenstiel 10 000 Dollar für ein siegreiches Spiel geboten zu haben. Der korpulente Inder sagte, der Keeper sei mündlich auf sein Angebot eingegangen. Pfannenstiel erinnert sich: »Ich hatte den Mann dreimal gesehen: in einem Stehimbiss, an einer Tankstelle und im Einkaufszentrum. Er sah aus wie ein Fan. Fragte, ob wir am Wochenende gewinnen werden. Und als Profi antwortet man in solchen Momenten automatisch mit bejahenden Floskeln. Von Geld war dabei nie die Rede.«
Als die Anklage in Singapur erkennt, dass der Manipulationsvorwurf nicht haltbar ist, schwächt sie den Vorwurf ab. Doch sie lassen Pfannenstiel nicht mehr vom Haken. Als er dem Staatsanwalt auf dem Klo begegnet, gesteht ihm dieser, dass der Staat keine Wahl habe, er müsse ihn verurteilen. Schließlich dürfe das Regime sein Gesicht nicht verlieren. ---- Den kompletten Bericht lesen Sie unter: http://www.11freunde.de/international/107455